Headline
VORWORT
Wann es genau begonnen hat, ist nicht mehr auszumachen. Schleichend hat es das Land befallen. Zuerst sprach man von einer Krise, einer Krankheit, doch bald schon war, statt von der gemeinhin folgenden Genesung, vom unvermeidlichen Ende die Rede. Unterdessen überhörte man sowohl die gewissenhaften Statistiken, die den Tod des Patienten belegten, als auch die rührend dummen Einflüsterungen, die die Auferstehung desselben verkündeten.
Ein bisschen traurig sind wir aber schon, vom Weltenlauf ausgerechnet eine so schlechte Zeit zugewiesen bekommen zu haben. Dabei sind wir zu jung, um uns an bessere Dekaden zu erinnern und zu alt, um nicht zu wissen, dass es Schlimmeres als unsichere Renten gibt.
Aufgewachsen in Jahren des selbstverständlichen Wohlstandes, haben wir die Gesetze des allgegenwärtigen Marktes verinnerlicht und kennen nichts anderes, als jenes komplexe System aus echten Bedürfnissen und falschen Erfüllungen, in welchem alle Optionen, auch die eines Aufbegehrens, schon durchdekliniert wurden. Die Folge öffentlicher Vereinnahmung und allgemeiner Schwarzmalerei ist eine diffuse Ohnmacht, mit der wir abwartend auf das Karussell der Möglichkeiten starren. Satt von der eigenen Abgeklärtheit, mit der wir Kinder von Popkultur und Postmoderne jede Pose als Zitat erkennen, sind wir hungrig auf ein authentisches Erleben jenseits von Spektakel und Konsum. Wir finden dieses Gefühl in unseren Nischen, in den zwischengemieteten Ladengeschäften und urbanen Hinterhöfen, deren Treiben nach ähnlichen Gesetzen funktioniert, wie einst die Großfamilien in den Dörfern, die wir nach dem Abitur verlassen haben: Arbeitsteilung gegen Nestwärme. Und die ist viel wert in einer Zeit,
in der sich das Wir-Gefühl in der Gewissheit erschöpft, Teil einer Zielgruppe zu sein.
Dafür führen wir gern ein Leben unterhalb des staatlich definierten Existenzminimums, wo das Jammern über schlechte Bezahlung zum Kode für eine kreative Parallelgesellschaft mit Anschluss an die Subkultur geworden ist. Denn wir Vertreter der Generation Praktikum haben längst begriffen, dass Arbeit nicht an Bezahlung gebunden ist, schon gar nicht in einem äquivalenten Verhältnis. In Ermangelung von reeller Arbeit mit angemessenem Lohn haben wir uns Beschäftigungen und Projekte gewählt, bei denen nicht mehr auszumachen ist, ob sie noch Herzensangelegenheit oder schon Dienstleistung sind. Ein gutes Gefühl und echte Anerkennung hält dieses fragile Gefüge zusammen. So wie wir von Luft und Liebe leben, arbeiten wir für Ruhm und Ehre. Wir sind Protagonisten eines romantischen Dilemmas, die das verträumte Warten auf das wirkliche Leben einfach aufgegeben haben. Die Summe unserer Projekte fügt sich längst nicht mehr zu einem Berufsbild und zahlreiche Eltern rätseln, ob sich ihre Kinde
r noch im Studium oder schon im Berufsleben befinden. Als längst Erwachsene verbringen wir eine verlängerte Jugend jenseits der etablierten Alternativen und neuen Konservativen. Wenn nichts mehr zählt, wenn kein Studiengang, nicht mal mehr das Lieblingshassstudium BWL, einen Arbeitsplatz garantiert, wenn sowieso alles unsicher ist, braucht man auch auf keine guten Ratschläge zu hören, kann sich erst recht dem Gefühl aus dem Bauch hingeben, vor dem ehemals gewarnt wurde, und zu seinen Lücken im Lebenslauf stehen.
Wir wissen auch, dass sich im real existierenden Pluralismus die Zutaten und Rezepte für Glück sehr unterscheiden. Darum sind wir neugierig und fragen Menschen, die uns nah stehen und solche, die fern bleiben. Wir haben nach Persönlichem und Alltäglichem gefragt, um darin das Beachtliche zu entdecken.
Helfen Antworten? Ja, nein, vielleicht.

FORWARD
It isn’t clear any more exactly when it started. Creeping, it befell the whole country. Initially, we described it as a crisis, a sickness. It soon became all too clear, however, that instead of the recovery we had expected, the consequence was the unavoidable end. Meanwhile, we chose to ignore both the sober statistics that documented the patient’s death and the dumb whisperings that heralded its resurrection.
We must confess to feeling a little sad to have had quite such a bad time assigned to us. We’re too young to recall better decades and too old not to know that there are worse things than insecure pensions.
Raised in prosperous times that we took for granted, we absorbed the laws of the omnipresent market and know nothing more than this very same complex system of real needs and false rewards. In which all options, even those of protest, have been boiled down to the smallest level.
The consequence of public capitulation and general doomsday is a fuzzy powerlessness which infuses us as we wait and watch the turning wheels of possibility. Sick of our own cynicism which allows us, as postmodern pop culture kids, to pinpoint every pose as a reference, we hunger for authentic experience beyond spectacle and consumption. We find this in our niches; in the sub-letted shop rooms and urbane courtyards which follow rules similar to those of the extended families in the villages we left after leaving school: division of labour for a sense of belonging. And that’s a valuable thing in a time when community dissolves in the knowledge that we’re all just target audience.
For this we’re happy to live a life below the official minimum level, where whinging over poor wages has become code for a creative parallel-society plugged into the subculture. Because we members of Generation Intern realised long ago that work is not connected to pay, certainly not in any proportionate ratio. In the absence of real work with fair pay we have selected projects and occupations where it’s indistinguishable whether it’s a matter of conviction or just services rendered. A positive feeling and genuine recognition hold this fragile construction together. Just as we live on love and air, we work for fame and honour. We are protagonists in a romantic dilemma who have simply given up our dreamy waiting on real life. The sum of our projects does not amount to a career and countless parents wonder whether their children are already working or still studying. As qualified adults, we live a prolonged youth outside of the established alternatives and new conservatives. When nothing counts any more, when not even love-to-hate-it business studies can guarantee a job at the end of it, when everything is in flux anyway you so totally don’t need good advice. Instead, succumb to the gut feeling they used to warn you about and stand up tall for the gaps in your resumé.
We know, too, that in the real pluralism out there, the ingredients and recipes for happiness are manifold and diverse. So we’re curious and we ask people close to us and those who are distant. We ask about personal and ordinary things, hoping to uncover something remarkable.
Do answers help at all? Yes, no, maybe.