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Wir lassen Sie nicht im Stich: Auch wenn wir einige Monate länger als ursprünglich geplant an dieser Ausgabe von  »echtzeit «  gearbeitet haben, sind wir nun mit der 05 zur Stelle. In wankelmütigen Zeiten widmen wir uns dem Thema »Hilfe«, legen die Scheuklappen ab, schauen genau hin und helfen wenn nötig auch über die Straße. Nachdem wir in der »echtzeit 04« verschiedensten Menschen auf der Suche nach dem Glück einen Haufen Fragen stellten, sind wir nun bereit, Antworten zu geben. Wir haben nach Hilfe­ gesucht und stellen, im Sinne des Fähnlein­ Fieselschweif, nun unser ganz persönliches Pfadfinderbuch zusammen. Diese Ausgabe enthält geballte Hilfe.

Hilfe ist Beitrag, Ergänzung, Ausfüllung, Ersatz. Hilfe ist Unterstützung, Aufwertung, Verbesserung von etwas, das fehlerhaft, unvollständig, bedürftig, mangelhaft ist. Hilfe ist auffangend, verstärkend, integrierend. Das Schöne: Wenn Hilfe gelingt, bleibt am Ende meist ein gutes Gefühl.
Hilfe ist somit elementares Gut, begründet unseren sozialen Kodex, und ihre Regeln werden von Generation zu Generation weitergegeben. 
Daher ist auch im Sprichwort- und Zitatenschatz der Völker einiges an Weisheiten in Bezug auf Hilfe verankert. So heißt es nicht nur »Eine Hand wäscht die andere«, sondern auch »Wer anderen nicht hilft, war selbst nie in Not.« Allerdings bleibt Hilfe auch so manches Mal aus, sie ist nicht selbstverständlich: Dann stehen Menschen oft alleine da. Was hier bleibt, ist Hilflosigkeit oder ein schlechtes Gewissen.

Obgleich man in so mancher Alltagssituation im heute eiligen wie flüchtigen Geschehen eher vermuten könnte, dass es irgendwie unüblich, fast schon unschicklich geworden ist zu helfen, haben wir eine Menge Gegenteiliges zu berichten. Wir schauen unverholen dem Abenteuer Alltag ins Gesicht, in der macgyverschen Sicherheit, dass das ›Mufu-Tool‹ in unserer Tasche schon zum richtigen Moment zur Stelle sei. Wir wünschen uns die Copy-Paste-Funktion in die analoge Welt und portieren uns selbst in digitale Welten, um dort in der Hülle eines Avatars unsere geheimen Wünsche auszuleben oder einfach aufmerksames Mitglied einer speziellen Online-Community zu sein. Außerhalb vom Drei-Balken-Handy-Empfang werfen wir schließlich einen schwelgenden Rückblick zu den Anfängen der Entwicklungshilfe, erfahren, wie sie wahrhaftig zur Ausrottung der Pocken beitrug – aber auch unter welchen Kinderkrankheiten sie zu Beginn selbst litt.

Wie weit würden Sie gehen, um anderen zu helfen? Wir geben Einblick in die Abläufe und den Alltag von Hilfsorganisationen, deren Akteure wahrhaftig ›weit gehen‹, um im Rahmen von Entwick­lungshilfeprogrammen vor Ort zu unter­stützen. Um dort hinzugelangen, sollte man sich allerdings lieber nicht auf die Landkarten der ­alten sozialistischen Lager verlassen: Obwohl diese äußerst abenteuerlich waren, bleibt für ­einige Teile der Welt fraglich, ob sie zum gewünschten Ziel führen. Heute ist die Landschaft Dank GPS bezwungen. Bleibt wiederum zu hoffen, dass wir eine Generation weiter überhaupt noch ohne tomtom-Karten lesen können. Noch hat die Ökonomie der Freizeit auch analog markierte Wanderwege gern –  mit all ihren Risiken und Überraschungen.
Konservendosen werden für ihre Fähigkeit bestaunt, die Zeit ohne Falten und Verderben zu überstehen. Ganz selbstverständlich und nebensächlich stehen sie uns bei der Lebensmittelvariation zur Seite. In der Frisch-Obst-Abteilung grübeln wir opportunistisch darüber, wem eigentlich geholfen wird, wenn wir Äpfel aus Chile kaufen. Wir verkneifen uns Vorwürfe und werden mit ­alten Erinnerungen belohnt. Hilft das?

Wir verlassen das Fahrwasser »von A nach B quer rüber«, erfahren hilfreiche wie eigenartige Seemannsweisheiten von einem echten Kapitän und machen selbst vor der Eckkneipe nicht halt, um uns mit Lebensweisheiten zu versorgen. Der Stammtisch als starke Schulter – so einfach kann Hilfe manchmal sein.
Wir begleiten einen, der sich gegen die rechte­ Szene entschied und seinen Ausstieg in die Hand nimmt, statt diese zum Gruß zu heben, und lassen uns nebenbei technikfasziniert von ­unserem palm- Timer hilfreich erinnern, um unsere Lieblingsserie nicht zu verpassen.

Somit wissen wir nicht nur, wie MacGyver mit Vornamen heißt, wir schlüpfen auch in die Schuhe der anderen und lassen niemanden links liegen. Wir bieten Ihnen Geschichten und Berichte von Menschen, die helfen, denen geholfen oder gerade nicht geholfen wurde. Wir helfen uns und Ihnen, Situationen besser zu verstehen und Standpunkte zu überdenken. Zwischen Ignoranz, FAQs und Zivilcourage sammeln wir in dieser Ausgabe bestandene oder verpasste Hilfsmomente.
Stellen Sie sich vor, Sie haben die Möglichkeit, jemandem zu helfen, und tun es einfach.
Wir schnallen uns das Fass um den Hals und laufen los.

Kommen Sie mit.
 Ihre Redaktion »echtzeit« 

MacGyvers Vorname: In der Folge »Ritter MacGyver, Teil 2« (»Good Knight MacGyver, Part 2«) wurde sein Vorname als Angus entschlüsselt, obwohl er von seinem Großvater Harry erstmals in der Folge »Zielscheibe MacGyver« mit dem Spitznamen »Bud« angeredet wird.